Volvo 850 – der Beginn der Sicherheitsoffensive

Den Kosenamen Schwedenpanzer bekam der Volvo aufgrund seiner Größe und dem kantigen Äußeren. Tatsächlich war man im 1991 präsentierten Volvo 850 fast so sicher wie in Abrahams Schoß, denn Volvo startete mit diesem Modell eine Sicherheitsoffensive. Während ich 1994 froh war, dass mein 3er Golf neben dem Fahrer- sogar schon über einen Beifahrerairbag verfügte, hatte Volvo in diesem Jahr bereits Seitenairbags serienmäßig. Hinzu kommen ein Seitenaufprallschutzsystem namens SIPS und viele weitere Sicherheitsfeatures, welche die Insassen im Falle eine Unfalls bestmöglich schützen sollten.

Volvo 850 KombiInteressanterweise war die viertürige Stufenhecklimousine, die es in den ersten Jahren gab, in allen Ländern ein Verkaufserfolg – nur in Deutschland nicht. Hier verkaufte sich erst der 1993 eingeführte Volvo 850 Kombi wie geschnitten Brot, da er im Vergleich zur Limousine keine Aufpreis kostete, wie sonst durchaus üblich. Das erklärt, warum auch heute auf dem Gebrauchtwagenmarkt hauptsächlich Kombis zu bekommen sind und gepflegte Limousinen relativ günstig gehandelt werden. Ebenfalls interessant war, dass bei der hohen Sicherheitsausstattung die normale Serienausstattung eher gering und die Aufpreisliste dafür ellenlang war. Dafür war die Verarbeitung des 850 recht gut.

Für den Vortrieb standen diverse Fünfzylinder-Triebwerke zur Wahl und so war für jeden etwas dabei. Bei den Benzinern reichte es vom kleinen Zweiliter mit 126 PS bis hin zum brachialen Volvo 850 R, der aus 2,3 Litern Hubraum 250 PS zauberte. Auch beliebt waren die 2,5 Liter-Motoren in unterschiedlichen Leistungsstufen. Für die Dieselfreunde gab es einen Selbstzünder mit 2,5 Litern Hubraum und einer Leistung von 140 PS (Lieferant war Audi).

Obwohl die alten Schweden recht robust und hohe Laufleistungen keine Seltenheit sind, gibt es natürlich auch typische Volvo 850 Schwachstellen und Mängel. Und die Liste ist leider lang, auch wenn viele Dinge nur Kleinigkeiten sind wie zum Beispiel undichte Öleinfülldeckel. Ärgerlicher sind da schon reißende Zahnriemen und abgebrochene Lambdasonden, Wasserverlust in Tateinheit mit Überhitzung und durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen. Bei den ersten Modelljahren reißen auch gerne die Frontscheiben.

Der TÜV war zumindest im letzten Jahrzehnt noch positiv gestimmt, nur das Lenkungsspiel wurde moniert und auch der Verschleiß der Volvo 850 Bremsscheiben ist überdurchschnittlich hoch. Letztendlich stehen noch die ausgeleierten Vorderachsen auf der Minusseite, ansonsten ist der 850 durchaus solide und eine klare Kaufempfehlung.

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